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6. Tag - 2017

Fundstücke erneut im Fokus

Sechster Tag der Archäologie am 19. November

Visbek. Die Archäologen werden nicht müde, Visbeker Fundstellen auszuwerten. Zu groß ist das Potenzial, das vor allem das frühmittelalterliche Gräberfeld auf dem Uhlenkamp besitzt. In diesem Jahr, bereits zum sechsten Mal, werden die Akteure jüngst restaurierte Grabbeigaben im Landgasthof Engelmannsbäke präsentieren. Die Archäologin Christina Peek, deutschlandweit bekannt als Expertin für organische Reste an archäologischem Fundgut, insbesondere Textilien, hat im vergangenen Wintersemester zusammen mit Frau Dr. Dipl.-Rest. Andrea Fischer und einer Gruppe angehender Restauratoren bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. In Ihrem Seminar "Blockbergung und Textilarchäologie" an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart nahmen sie sich mehrerer Gipsblöcke des Visbeker Gräberfeldes vor. Es handelte sich um besonders fragile Metallartefakte, die bei der Ausgrabung 2011 bei Wind und Wetter nicht ohne Weiteres freigelegt werden konnten. Dazu zählen tordierte Bronzeringe, Eisenmesser mit teilweise erhaltenen Lederscheiden oder eine Pferdetrense. Bunte Glasperlen lagen ebenfalls in den Blöcken. Andrea Fischer und Christina Peek werden den Zuschauern den großen Kosmos der zunächst unscheinbaren, aber doch so aussagekräftigen Organikreste an archäologischen Artefakten nahebringen.

Über den Visbeker Tellerrand hinausblickend wird sich die Grabungstechnikerin Daniela Behrens und die Archäologin Olivia Knof von der Firma denkmal3D aus Vechta einer besonderen Fundstelle in Lingen, Ldkr. Emsland, widmen. Ähnlich wie auf dem Uhlenkamp gibt es auch hier eine Bestattungstradition seit der Jungsteinzeit. Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht bei der bekannten Trichterbecherkultur oder dem frühen Mittelalter, sondern eher im zweiten Jahrtausend vor Christus, der Bronzezeit. Neben der Vorstellung dieser aktuellen und so vielfältigen Fundstelle werden die Ausgräberinnen vor allem auch auf die Bergung besonderer Fundstücke im Block eingehen. Zusammen mit dem ersten Vortrag kann so die Reise archäologischer Artefakte vom Freilegen im Gelände bis hin zur Präsentation im Museum anschaulich nachvollzogen werden.   

Abgerundet wird der Nachmittag durch einen Beitrag von Michael Wesemann, der die neuesten Erkenntnisse der Grabung Visbek-Stüvenmühle präsentieren wird. Gerade die Ergebnisse der letzten drei Jahre werden als die bedeutsamsten der bäuerlichen Siedlung angesehen, liefern sie doch wichtige Antworten auf die Entwicklung von Hausbau und Hofstruktur im hohen und späten Mittelalter.

Wie immer besteht für die Besucher die Möglichkeit, die Original-Fundstücke zu begutachten. Die Gemeinde und der Heimatverein laden am Sonntag, den 19. November 2017 um 14.30 Uhr herzlich dazu ein.    

 

Andreas Hummel

Abbildungsunterschriften:

Abb_1: Fragmentierte Kreuzfibel eines Grabes des frühmittelalterlichen Gräberfeldes (Foto: Katja Siebel, SABK Stuttgart)

Abb_2: Tordierter Bronzering aus einem frühmittelalterlichen Grab (Foto: Katja Siebel, SABK Stuttgart)

Abb_3: Detail des Bronzerings mit ankorrodiertem Textil (Foto: Katja Siebel SABK Stuttgart)

Abb_4: Lingen, Doppelpfostenreihe in kreisförmiger Anordnung (Foto: Olivia Knof, denkmal3D)

Abb_5: Lingen. Gefäß mit drei Ösen. Beigabe einer Brandbestattung (Foto: Olivia Knof, denkmal3D)

Abb_6: Visbek-Stüvenmühle. Profilschnitte durch ein Grenzgräbchen (Foto: Michael Wesemann, NLD Oldenburg)

Abb_7: Visbek-Stüvenmühle. Freilegung einer Pfostengruben-Steinpackung (Foto: Michael Wesemann, NLD Oldenburg)